Reiseberichtbericht

von Olaf Raschke

über die RadKulTour  – Der Ems Rad Weg und Lingen -

des ADFC KV WHV vom 25.-30.08.2013

 

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah.“  Nach diesem Motto führte meine diesjährige Mehrtagesradtour  in das Emsland zwischen Papenburg und Lingen. Mitbestimmt wurde die Entscheidung auch dadurch, dass der ADFC KV WHV im Mai die ADFC OG Lingen bei ihrem Besuch in WHV tatkräftig unterstützte und gleiches von der OG Lingen bei einem Besuch ihrer Region angeboten wurde. Das wollte ich mir nicht zweimal sagen lassen und so brachen am Sonntag dem 25.08. (leider nur) 6 Radler von WHV nach Lingen auf.

1. Tag             Wilhelmshaven-Papenburg

Die Tagestour von WHV nach Papenburg stand unter dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Vor uns lagen rund 95 km. Über Cäciliengroden und Zetel ging es zunächst nach Neuenburg. Was ist schöner als eine Kaffeepause Sonntagmorgen um 10.00 Uhr in Deutschland im Park von Schloss Neuenburg. Die Tour führte uns ab Neuenburg durch das Lengener Moor bis nach Hollriede, anschließend entlang des Augustfehner Kanals nach Augustfehn. Für mich ist es immer wieder ein Genuss Sonntagvormittag durch die Lande zu radeln und mitzuerleben wie der Tag erwacht. Die sinnliche Wahrnehmung, das Sehen, das Hören, das Riechen sind viel intensiver zu dieser Zeit. In Augustfehn Zeit zur Mittagsrast. Nach einigem Hin-und Her fanden wir die Hengstforder Mühle http://www.hengstfordermuehle.de/ und kehrten dort ein.  Die Mühle liegt idyllisch an der Fehnroute und das kulinarische Angebot und die von uns genossenen Speisen ließen  keine Wünsche offen. Mein Fazit zur Mühle: „Sehr empfehlenswert!“ Ein Besuch lohnt sich. Gestärkt ging es weiter auf meiner geplanten Route Richtung Rhauderfehn. Eigentlich ging der Weg durch das Westermoor hindurch. Dort stand uns allerding die Marinefunksendestelle der Bundeswehr im Weg, die uns zur Umkehr und einen ungeplanten Umweg zwang. Dennoch war der Abstecher in das Westermoor interessant. So erhielten wir einen (Ein-) Blick in die unendlichen Weiten des Moores und den dort praktizierten modernen Torfabbau. Das ist schon imposant. Gegen 17.30 Uhr erreichten wir erschöpft aber glücklich unser Ziel in Papenburg, das Hotel Hilling http://www.hotelhilling.de/. Der Tag klang auf der Terrasse des Hotels beim gemeinsamen Abendbrot und Gesprächen zum Tag aus.

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2.Tag              Papenburg-Lingen

Auch heute lag wieder eine lange anspruchsvolle Tour vor uns. Deshalb hieß es relativ früh Frühstücken, Sachen packen und rauf auf´s Rad. Vom Hotel aus ging es erst einmal in die Innenstadt von Papenburg und von dort an den Emsradweg. Nach gut einer Stunde lag sie dann vor uns, die Ems. Nein, doch nicht. Zuerst eine Schleuse eines Seitenkanals, aber wenig später dann wirklich. Auf dem Emsradweg bzw. auf der Rad Route Dortmund Ems Kanal folgten wir dem Verlauf der Ems in Richtung Lingen. Was soll ich schreiben zum Radweg? Der Radweg ist gut ausgebaut, abwechslungsreich in der Wegeführung und dadurch landschaftlich sehr reizvoll. Aber das sind (fast) alle Flußradwege für mich. Der für mich wesentliche Unterschied ist der,  man kommt als Radler regelmäßig an interessanten kleinen Städtchen vorbei, die wiederum interessante Sehenswürdigkeiten aufweisen. So z.B. Lathen, Haren, Meppen. In Harem machten wir Mittagspause, in Meppen gab es Eis. Was mir im Verlauf des Emsradweg weiter auffiel,  war die teilweise an Unübersichtlichkeit grenzende Radwegeausschilderung. Ich appelliere an die Verantwortlichen: Bitte sorgt dafür, dass die überregionalen Routen deutlicher richtungsweisend sind! Und wünschenswert ist weiter, das auf gastronomische Einrichtungen in unmittelbarer Nähe des Radwegs frühzeitig hingewiesen wird. Aber ansonsten gibt es nichts zu meckern. Jeder kommt auf seine Kosten.

Spannend wurde es dann noch einmal ab Meppen. Ab Meppen hat man die Wahl, entweder dem längeren Verlauf des Emsradweges nach Lingen weiter zu folgen (35 km) oder den kürzeren Weg am Dortmund Ems Kanal entlang (20 Km) zu wählen. Ich hatte mich für den längeren Weg entschieden und wir wurden nicht enttäuscht. Am Ende der Tour und der Kräfte erreichten wir den Dorfkrug Thien www.dorfkrug-thien.de. Das Gästehaus bot uns für 3 Nächte Quartier.

An dieser Stelle einige persönliche Wahrnehmungen, zu den Quartieren in Papenburg und Lingen. Hotel Hilling ist aufgeführt in Bett&Bike. Mag sein das die Kriterien des ADFC für die Anzeige  erfüllt werden, eine  Wohlfühlatmosphäre während der zwei Übernachtungen ist bei mir jedoch nicht aufgekommen. Irgendwie stimmte das Gesamtpaket nicht.

Anders dagegen die Unterbringung im Gästehaus vom Dorfkrug Thien. Hier stimmte einfach alles. Große helle freundliche  Zimmer mit Balkon. Ein Frühstücks-/bzw Gemeinschaftsraum für die Gruppe. Leckeres, vielseitiges Frühstück das keine Wünsche offen ließ. Eine sehr aufmerksame entgegenkommende Chefin (gilt für das gesamte Personal des Dorfkrugs!) und  radfahrergerechte Speisen, mit einem stimmigen  Preis-Leistungs- Verhältnis. Absolut empfehlenswert! Und, lieber ADFC, nach meiner Kenntnis ist der Dorfkrug nicht im Bett&Bike Verzeichnis. Also, Tourenleiter sind nach meinen Erfahrungen gut beraten, sich bei den ansässigen ADFC  Organisationen zu informieren. Durch die OG Lingen erhielt ich diese Empfehlung. Danke!

3. Tag           Rund um Lingen

Die folgenden zwei Tage gestaltete die OG Lingen für uns. Ich hatte lediglich den Rahmen vorgegeben. Nach 200 km in den Beinen, wollten wir es heute etwas ruhiger und zum Teil auch zu Fuß angehen. Der Tag begann mit einer Stadtführung. Mit der Bürgerfrau Brigitte unternahmen wir einen Rundgang durch die Stadt. Wahre Begebenheiten und Sagen aus vergangener Zeit wusste Brigitte dabei zu erzählen. Danach ging es wieder aufs Rad und in den Norden von Lingen, zum Kräutergarten Bramhar http://www.geeste.de. Ein Kleinod für Kräuterliebhaber, eine kulinarische Empfehlung für Kuchenliebhaber oder für alle Landliebhaber. Es fiel schwer, nach dem Kaffeetrinken zurück nach Lingen aufzubrechen. Abschließend hatten die Radfreunde Gelegenheit, individuell die Stadt Lingen zu erkunden. Am Abend saßen wir alle vereint  beim Abendbrot vor  dem Dorfkrug mit Blick auf den Dortmund-Ems-Kanal und ließen den Tag entspannt ausklingen. Vielen Dank an Renate, unseren  Tourenleiterin an diesem Tag, für diesen Tag.

4. Tag           Radtour zum Erlebnispark Emsflower   http://www.vvv-emsbueren.de

Die Firma EmsfIower GmbH in Emsbüren ist Europas größter Beetpflanzenproduktions-Betrieb. Emsbüren liegt knapp 25 km von Lingen entfernt und was lag somit näher, als uns diese Sehenswürdigkeit einmal aus der Nähe anzuschauen. Erich und Heinz  übernahmen die Führung und die Organisation. Der Weg führte uns auf verschlungenen Radwegen zunächst direkt an die Ems. Dem Verlauf der Ems folgten wir bis zum Ems Vechte Kanal, ab da ging es weiter, einer Emslandradroute folgend, quer durch das Land zur Firma Emsflower. Von weitem schon ist die Dimension der Betriebsanlage beeindruckend. Die Produktionsfläche beträgt  100 Hektar, davon 38,5 ha unter Glas! Bei einer Führung durch den Kakteen- und Tropengarten, des  Aufzucht- und Schnittblumenhauses erlebten wir die Dimension der Anlage auch von innen. Nun gut, eine 1 ½ stündige Führung unter Glas ist nicht jedermanns Sache, dafür gibt es aber dort entsprechende Alternativen=Erlebnispark. Auf dem Emsradweg radelten wir am nachmittag zurück nach Lingen ließen den Tag beim Abendbrot vor  dem Dorfkrug mit Blick auf den Dortmund-Ems-Kanal  entspannt ausklingen. Vielen Dank nochmals an Erich und Heinz, unseren wegevertrauten Tourenleitern.

5. Tag                     Lingen – Papenburg

Heute hieß es Abschied nehmen von Lingen. Ein letztes Frühstück, ein letzer persönlicher Abschied von unseren Gastgebern und dann Aufbruch nach Papenburg. Diesmal auf der östlichen Seite der Ems am Dortmund Ems Kanal entlang nach Meppen. Kurze Kaffeepause und dann radelten wir von Meppen aus in nordöstliche Richtung, Richtung Sögel, weiter. Links von uns, immer durch die Schilder präsent, der Schießplatz Meppen. Heutzutage sind große Teile der Schießplätze Naturschutzgebiete. Unser Weg führte uns durch wechselnde Landschaften und Aussichten auf die Stadt Sögel zu. Ich gestehe,  Sögel  war mir bis zu diesem Tag kein Begriff. Jetzt, nach dem Besuch des Clementswerther Schlosses  www.clemenswerth.de schon. Das Schloss ist eines der sehenswertesten Kulturdenkmäler Norddeutschlands und die einzige noch erhaltene Alleesternanlage weltweit. Acht Lindenalleen führen zum Mittelpunkt, dem Jagdschloss. Sehenswert! Nach dem Mittagessen ging die Tour weiter zum Börgerwald mit der großen Freizeitanlage „Surwold´s Wald“. Dafür hatten wir keine Zeit und aus dem Alter sind wir auch raus. Auf der letzten Tagesetappe konnten wir uns nicht mehr verfahren. Wir brauchten nur dem Börgerwaldkanal und dem Splittingkanal folgen, um am Ende direkt am Hotel Hilling zu enden. Durch das Training der vorausgegangenen Tage waren wir diesmal etwas zeitiger in Papenburg. Zum Abendbrot fuhren wir deshalb in die Stadt um beim Italiener den Tag ausklingen zu lassen.

6. Tag             Papenburg - Wilhelmshaven

Auf Wiedersehen Papenburg! Das nächste Mal werde ich entweder zum Besuch der Meyerwerft dort sein oder zur Landesgartenschau 2014 http://www.landesgartenschau-papenburg.de/.

Die Strecke WHV – Papenburg wollte ich nicht einfach umkehren und so änderte ich kurzentschlossen die Routenführung. Die Tour führte uns durch das Flachsmeer, durch das Nortmoor, über die Leda, über die Jümme nach Filsum.  Von Filsum auf kurzem Weg an den Nordgeorgsfehnkanal, der Deutschen Fehnroute folgend nach Remels. Kilometerweit nur geradeaus an schönen Häusern, Gärten und Landschaft vorbei! Das richtige um seine Seele baumeln zu lassen. Kann man. Der Radweg verläuft verkehrsberuhigt parallel zum Kanal. In Höhe Neudorf rechts abbiegen nach Marx, vor Marx rechts abbiegen nach Horsten. Freitag gegen 14.00 Uhr in Horsten gelang es uns nicht einzukehren. Zur unpassenden Zeit am unpassenden Ort. Aber da kam uns die „Erfahrung“ der Tourteilnehmer zu gute. Es kam der Vorschlag  es beim Horster Grashaus zu versuchen  www.horster-grashaus.de. Goldrichtig der Vorschlag. Mein Favorit dort: Selbstgemachte Riesenwindbeutel. Reinschauen lohnt sich! Die Tour endete gegen 17.30 Uhr am Bahnhof in Wilhelmshaven. Geschafft!

Für die Statistiker unter uns: etwas mehr als 500 km an 6 Tagen, Durchschnittsgeschwindigkeit 15km/h, Höhenmeter können vernachlässigt werden, Pannen keine, Ausfälle keine, Klasse!

Und das Wetter? Kaiserwetter! An allen Tagen einfach nur traumhaft schön. Sommer, Sonne, Kaktus! Und der Wind, immer aus der richtigen Richtung. Perfekt. Mehr ging nicht.

 

Und mehr geht jetzt auch nicht mehr. Ich habe so viel neue Eindrücke auf unserer Reise gesammelt, dies wiederzugeben würde meine Reisebeschreibung sprengen. Ich hoffe (weiß es) das es den Teilnehmern sehr gut gefallen hat, dass das Erlebte noch lange in Erinnerung bleiben wird und sie mit der Tour und meiner Leitung zufrieden waren.

 

Euer Radtourenleiter

Olaf

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